Anforderungen an das Saatbett

Das Saatbett hat die Aufgabe, dem Saatgut die für einen schnellen und schlageinheitlichen Feldaufgang erforderlichen Bedingungen zu bieten. Diese beinhalten die Versorgung mit Wasser, Luft und Wärme sowie mit einer befallsfreien Umgebung.

Das ideale Saatbett ist der Grundsein für hohen Ertrag. Das keimende Saatgut muss hier die richtigen Bedingungen für einen schnellen und einheitlichen Aufgang vorfinden.

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Das ideale Saatbett

Die wichtigsten Eigenschaft des Saatbetts sind:

  1. Aufnahme von schweren Niederschlägen, ausreichende Stabilität zur Verhinderung von Verschlämmung und Erosion
  2. Schutz vor Verdunstung
  3. Bereitstellung von Kapillarwasser für die Keimung
  4. Nährstoff-, Wasser- und Sauerstoffreserve zur Förderung der Wurzelentwicklung.

Das ideale Saatbett sollte so wie das auf dem Photo gezeigte Saatbett aussehen: eine Oberschicht aus gröberen Aggregaten und organischer Masse, die vor Verkrustung schützt. Darunter eine Schicht kleinerer Aggregate, die verhindern, dass Bodenfeuchtigkeit verdunstet und für einen guten Bodenschluss des Saatguts sorgt. Guter Bodenschluss ist wichtig, da das Wasser für die Keimung per Kapillartransport dem Keimling zugeführt wird. In leichten Böden, jedoch auch in schweren Tonböden ist dieser Kapillartransport schwach und es ist hier besonders wichtig, die zu Beginn im Boden vorhandene Feuchtigkeit zu nutzen.

Die vier Grundvoraussetzungen

Das Saatbett, so unterschiedlich es auch in den einzelnen Regionen und Flächen aussehen mag, muss folgende Grundbedürfnisse des Saatguts zu erfüllen:

  • Wasser
  • Luft 
  • Wärme
  • Krankheitsfreie Umgebung

Wasser um das Saatgut herum

Bei Getreide beginnt die Keimung mit der Aufnahme von Wasser. Das aufgequollene Korn keimt, wenn sein Wassergehalt von 13/14 Prozent auf 45-60 Prozent steigt. Mindestens 6 Prozent pflanzenverfügbares Wasser wird in der Umgebung des Saatkorns benötigt, um eine zuverlässige Wasserversorgung und Keimung sicherzustellen. Damit das Korn Zugang zu Wasser hat, ist guter Bodenschluss wichtig. Denn das Wasser wird dem umgebenden Boden entnommen. Das bedeutet, dass die das Saatgut umgebenden Bodenpartikel nicht zu grob sein sollten. Als Faustregel gilt, dass für einen gesicherten Feldaufgang bei Ausbleiben von Regen im Anschluss an die Saat mindestens 50 Prozent der Aggregate im Saatbett einen kleineren Durchmesser als 5 mm haben sollten.

Die richtige Tiefe für jede Frucht

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Die Saattiefe ist ein Kompromiss zwischen ausreichend tiefer Ablage zur Vermeidung von Austrocknung und ausreichend flacher Ablage für hohen Feldaufgang und guter Bestandsdichte.

Für die ausreichende Wasserversorgung ist auch die richtige Saattiefe wichtig. Die richtige Saattiefe ist ein Kompromiss zwischen der Ablage in ausreichender Tiefe, wo genügend Wasser für die Keimung zur Verfügung steht, und genügend flacher Ablage, die für einen schnellen Feldaufgang günstig ist.

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Als Faustregel sollte die Saattiefe bei maximal dem 10-fachen Korndurchmesser liegen. Zum Beispiel hat Raps einen Durchmesser von 1,5 mm - 2,0 mm. Somit liegt die optimale Saattiefe bei zirka 15 mm- 20 mm. Doch diese Zahlen dienen nur as grobe Anhaltspunkte. Die Wasserversorgung sollte nie gefährdet sein und das Saatgut muss so abgelegt werden, dass es ausreichend mit Kapillarwasser versorgt werden kann.

Eine Faustregel ist, dass die Saattiefe dem 10-fachen Durchmesser des Saatkorns entsprechen sollte. Entsprechend werden Erbsen und Bohnen tiefer und damit in ein feuchteres Saatbett abgelegt. Raps dagegen muss flach gesät werden und unterliegt dem Risiko der nicht ausreichenden Wasserversorgung. Doch die Wasserversorgung sollte niemals durch eine zu flache Ablage gefährdet werden. Stattdessen sollte das Saatgut in einem Horizont abgelegt werden, wo es genügend Feuchtigkeit vorfindet.

Luft in gelockertem Boden

Pflanzen speichern Nährstoffe in ihren Samen, Früchten oder Körnern in Form von Stärke, Öl oder Proteinen. Diese Nährstoffreserve muss so lange reichen, bis die grünen Pflanzenteile die Pflanze durch Photosynthese mit genügend Energie versorgen können. Wenn das Saatkorn Wasser aufnimmt, setzt ein enzymatischer Prozess ein, bei dem die Nährstoffreserven durch Atmung aufgespalten werden. Für diesen Prozess wird Sauerstoff benötigt. Diesen erhält das Saatkorn aus der Luft in seiner unmittelbaren Umgebung. Daher ist es wichtig, dass der Boden, der das Saatgut bedeckt, locker genug ist, um Luft und Sauerstoff durchzulassen. Ebenso ist es wichtig, dass das bei der Atmung anfallende Kohlendioxid abtransportiert werden kann. Staunässe nach schweren Regenfällen nach der Aussaat kann zu Sauerstoffmangel und damit zu schlechter Keimung führen.

Wärme beschleunigt den Feldaufgang

Der Boden wird im Frühjahr vor allem direkt durch Sonneneinstrahlung aber auch indirekt durch Regen und Luftzirkulation erwärmt. Die Temperatur im Saatbett hat auf die Schnelligkeit der Keimung und den Feldaufgang einen erheblichen Einfluss. Weizen, Gerste und Hafer können bei zirka 3-5°C keimen, bevorzugen jedoch für einen schnellen Aufgang eine Durchschnittstemperatur von etwa 20°C . Die Bodentemperatur ergibt sich aus drei Parametern: der Wärmekapazität des Bodens, seiner Wärmeleitfähigkeit und der Verdampfung. Trockener, poröser Boden erwärmt sich schneller als feuchter bzw. nasser Boden. Je höher der Wassergehalt des Bodens, desto langsamer steigt im Frühjahr die Bodentemperatur.

Weniger Krankheiten durch Fruchtwechsel

Für ein möglichst gesundes und befallsfreies Saatbett sollten unterschiedliche Fruchtwechsel eingehalten werden. Im Idealfall sollten Monokotyledonen und Dikotyledonen im Wechsel angebaut werden. Als weitere Faustregel gilt, dass Pflanzenrückstände aus der Vorkultur vor der Aussaat verrottet sein müssen. Dadurch sinkt die Gefahr von Krankheitsdruck und die Pflanzenrückstände können den nächsten Feldaufgang nicht behindern. 

Glossar:

Atmung = Zellatmung ist ein Prozess, bei dem die Nährstoffe in der Zelle aufgespalten werden, um Energie zu gewinnen. Bei Korn werden Stärke, Proteine und Öle aufgespalten, um dem Saatkorn die zur Keimung notwendige Energie zur Verfügung zu stellen.

Enzymatische Prozesse = Enzyme sind Proteine, die chemische Reaktionen die in der Zelle verlangsamen oder beschleunigen.

Kohlendioxid = Gasförmiges Abfallprodukt (CO2), das bei der Zellatmung der Wurzeln anfällt. Zusammen mit Wasser bildet es den Baustein für Zucker, der von der Pflanze durch Photosynthese gebildet wird.  

Wärmekapazität = Die Menge an Wärme/Energie (kJ), die benötigt wird, um die Temperatur eines 1 kg schweren Körpers um 1 °C zu erwärmen.

Wärmeleitfähigkeit = Die Fähigkeit von Stoffen, Wärme zu leiten.

Monokotyledonen = Einkeimblättrige Pflanzen, die beim Keimen nur ein Keimblatt (Kotyledon) aufweisen, z.B. Gras oder Getreide.

Dicotyledonen = Zweikeimblättrige Pflanzen, die beim Keimen zwei Keimblätter (Kotyledonen) aufweisen, z.B. Ölsaaten, Erbsen, Bohnen, Leinsamen, Zuckerrüben, etc.